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19.10.2009 13:45

Guido Cantz und die lieben Kleinen

Zweibrücken. Für den 25. November hat sich Comedian Guido Cantz in der Zweibrücker Festhalle angesagt. Der künftige Moderator von „Verstehen Sie Spaß“ präsentiert seine Soloshow „Ich will ein Kind von Dir“. Was die Fans dabei erwartet, hat Merkur-Redaktionsmitglied Eric Kolling dem Fernseh-Moderator entlockt.

Schreiendes Baby beim Familienkaffee, plärrendes Balg an der Supermarktkasse - in welchen Situationen nerven Kinder Sie am meisten?

Guido Cantz: Es gibt immer Situationen, in denen man denkt: Um Gottes Willen, jetzt würde ich gerne die Augen zumachen, etwa im Flieger, wenn natürlich ein Kleinkind vor einem sitzt, das auf den Flug nicht so wirklich Lust hat. Oder wenn man Essen geht und ein Kind am Nebentisch schreit. Da ist man nicht hocherfreut, ist ja logisch. Aber dass Kinder auch mal lauter werden, gehört dazu.

Wie würden Sie denn reagieren, wenn Kinder während Ihres Programmes anfangen würden zu schreien?

Cantz: Das muss man natürlich sportlich nehmen. Ich bin jemand der gerne spontan arbeitet und Spaß daran hat. Meinen Programmtext hab ich schon oft genug auf der Bühne wiedergegeben. Ich bin immer froh, wenn etwas Neues passiert. Wenn das ein Kind wäre, muss man damit klarkommen. Es sei denn, es wäre ein Schreikind das anderthalb Stunden durchbrüllt. Das wäre für die Leute drumrum nicht so witzig. Aber für mich wäre das schon okay.

Sie haben vor wenigen Monaten geheiratet. Inwiefern entstand Ihr Programm aus der unmittelbaren Lebenserfahrung von jemand der nun seine eigene Familienplanung vorantreibt?


Cantz: Ich glaube, dass Autobiografisches am besten funktioniert. Ich bin jemand, der keine Rolle auf der Bühne spielt, auch niemand, der morgens aufsteht und sich selber die neusten Gags erzählt. Meine Frau und ich haben Ende August geheiratet und es besteht durchaus der Wunsch, eine Familie zu gründen. Anlass dazu das Programm zu schreiben, war mein Bruder, der wurde Vater und ich Patenonkel. Das Thema Kinder ist eines, an dem Leute Spaß haben und drüber lachen.

Der Name des Programmes „Ich will ein Kind von Dir!“ deutet also an, dass Sie selbst Vater werden wollen?

Cantz: Ich kann mir gut vorstellen, wenn ich wirklich mal Papa bin, dass ich dann ein weiteres Programm schreibe und sage: Es ist völlig anders, als ich vorher gesagt habe.

Können Sie eine Kostprobe aus Ihrem Programm geben, einen kurzen Sketch?

Cantz: Sketche muss man auf der Bühne erleben. Aber über das Thema Kindernamen lässt sich trefflich philosophieren. Ein Freund von mir, sehr katholisch eingestellt, hat sein Kind Severin genannt. Da dachte ich: Klasse - so heißt auch mein Wasserkocher. Die nächste Tochter heißt dann vielleicht Rowenta oder so. Wenn man sich mit Kindernamen auseinandersetzt, bekommt man ständig Input.

Ist Ihr Programm auch sozialkritisch?

Cantz: Ich lasse mich über ein Thema wie den Klimawandel auch mal kritisch aus. Aber trotzdem so, dass man kurz danach auch wieder Spaß hat.

Sie haben gesagt, dass Sie niemand sind, der sich morgens nach dem Aufstehen die besten Sketche vorsagt. In welchen Situationen fallen Ihnen denn die besten Sketche ein?

Cantz: Das normale Leben liefert die meisten guten Ideen. Ich habe etwa am Wochenende in Landau ein Comedyfestival moderiert. Auf dem Hinweg war ich an der Autobahn in einer Raststätte auf der Toilette. Mittlerweile ist man ja an diese Sanifair-Klamotte gewöhnt. Da fragt man sich, warum die Werbung für „Prostagutt forte“ einen genau da anlächelt, wo man pinkeln geht. Bei Sanifair nerven mich auch die blöden 50 Cent-Coupons. Die vergesse ich immer einzulösen und horte sie. Ich glaube, dass ich darüber auch mal einen Sketch schreiben muss. Natürlich muss man Sachen überspitzen und lustiger machen aber es ist schon so, dass wenn man im Leben zuhört und was zum schreiben dabei hat, daraus die besten Gags machen kann.

Sie haben also immer einen Block dabei?

Cantz: Ja genau, ein kleines Büchlein. Wenn mir etwas auffällt, wenn man im Flieger sitzt oder in der Bahn, dann schreib ich Ideen rein, die mir kommen. Zuhause kucke ich dann, was kann man davon benutzen, was ist aktuell oder welche Ideen für künftige Programme kann ich aufbewahren.

Sie werden bald „Verstehen Sie Spaß“ moderieren und haben schon „Karnevalissimo“, „Deal or no Deal“ gemacht, waren bei „Genial daneben“ dabei - welche dieser Shows hat Sie am ehesten auf Ihr bevorstehendes Engagement im Ersten vorbereitet?


Cantz: Die Mischung macht es. Drei Jahre „Deal or no Deal“ waren fürs Moderieren sehr gutes Training. „Karnevalissimo“ mache ich seit zehn Jahren, da haben wir in der Regel zwischen 4,5 und sechs Millionen Zuschauer, das ist eher die Größenordnung die „Verstehen Sie Spaß“ abdeckt. Ich bin keiner, der groß nervös ist, aber wenn ich da zum ersten Mal draußen stehe und der Sprecher sagt „Begrüßen Sie Guido Cantz bei Verstehen Sie Spaß“, werde ich natürlich auch schwer aufgeregt sein. Aber „Verstehen Sie Spaß“ ist genau das, was ich immer machen wollte.

Gibt es noch Ziele, die darüber stehen, auf der Bühne oder im Fernsehen?


Cantz: Da gibt es noch vieles. Auf der Bühne wächst man mit seinen Aufgaben. Ich stehe mit meinem Soloprogramm erst seit drei Jahren auf der Bühne, aber insgesamt seit 18 Jahren. Davor habe ich nur nie eine Notwendigkeit gesehen ein Soloprogramm zu schreiben. Ich merke jetzt, dass ich das genial finde und es hätte viel früher machen müssen. Da gibt es noch Steigerungsmöglichkeiten. Da möchte man auch mal irgendwann größere Hallen spielen. Und beim Fernsehen gibt es zum Beispiel Möglichkeiten andere Sendungen auszuprobieren.

Auf was können sich die Zuschauer in Zweibrücken genau freuen?

Cantz: Die Zuschauer werden einen super Abend erleben, bei dem viel gelacht wird, wo man viel Spaß hat, ich auch. Das Programm wird bis etwa elf Uhr dauern mit Pause. Ich glaube, dass viele Leute Guido Cantz von einer anderen Seite erleben werden. Fernsehen vermittelt immer einen gewissen Eindruck. Aber eigentlich ist der Tenor von Leuten, die mich das erste Mal live sehen: Das hätten wir nicht gedacht. Ich spiele auch Klavier und singe dazu. Da sagen viele, sie wussten gar nicht, dass ich so vielseitig bin. Das ist etwas anderes als bei „Genial daneben“ zu sitzen. Ich freue mich auf neue Erfahrungen in Zweibrücken.


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