Als Anlass für seinen überraschenden Rückzug nannte die KG gegenüber der SZ ein neues Merkblatt der Kreisverwaltung. Darin seien seit kurzem 28 Sicherheitsauflagen des Kreisordnungsamts verschriftlicht, adressiert an alle Ausrichter von Umzügen im Kreis. Das bestätigte die Kreisverwaltung auf SZ-Anfrage und verwies auf „geltende Rechtsvorgaben“. Im Prinzip seien die Auflagen, etwa die Bereitstellung von Ordnungskräften oder das Wahren von Lärmschutz, ja auch seit Jahren bekannt und voll inhaltlich vertretbar, räumte KGChef Thomas Klein ein. Von einem Vorwurf an den Landkreis, der wie die Stadt seit Jahren ein guter Kooperationspartner sei, könne keine Rede sein. Nur seien die Vorgaben seinem Verein bisher nicht in allen Details bekannt, geschweige denn verschriftlicht gewesen. „Ich gebe zu, dass wir vorher nicht genau wussten, wofür wir alles die Verantwortung übernehmen. Vor allem die Bestimmung über ein Alkohol- Verbot für beteiligte Fahrzeugführer ist ein Problem. Wir müssen uns auf die Leute, die auch von anderen Vereinen kommen, verlassen.
Aber eine Kontrolle und damit die Verantwortung können wir weder personell noch rechtlich länger gewährleisten.“ Bei einem Verstoß würde der Verein nämlich haften. Der KG-Vorstand habe beschlossen, als Ausrichter auszuscheiden. Man wisse spätestens seit der Loveparade in Duisburg, „wie schnell was passieren kann“, sagte Klein. In anderen Ortsteilen liege die Verantwortung im Übrigen auf mehreren Schultern, etwa in einer Vereinsgemeinschaft oder beim Ortsrat. „Wir waren bisher alleiniger Veranstalter für die Großveranstaltung und müssen uns leider zurückziehen.“ Man stehe nach wie vor zum Umzug. Gebraucht werde aber ein neuer Ausrichter, der bei Verstößen gegen die Auflagen haftet.
Eine Lösung des Problems, und damit die Rettung der Merziger Tradition, könnte am morgigen Samstag gefunden werden. Wie die SZ gestern erfuhr, hat der Ortsrat Merzig seine Hilfe angeboten. Er könnte möglicherweise offizieller Veranstalter werden. „Mit Bedauern“ reagiere man auf den KG-Rückzug, erklärte Ortsvorsteher Manfred Klein. Für die Argumentation habe man indes Verständnis. „Das Problem der Haftung ist nachvollziehbar.“ Man wolle nun „versuchen zu retten, was zu retten ist“. Eine Beratung mit der KG sei für Samstag, 11.30 Uhr, in der Stadthalle angesetzt. Denkbar sei etwa, dass der Ortsrat die Haftpflichtversicherung übernehme.
Das bekräftigte Marcus Hoffeld, stellvertretender Ortsvorsteher und Beigeordneter der Kreisstadt Merzig, der das Gespräch initiiert hat: „Wir versuchen, die Verantwortung aufzuteilen.“
Da die Zeit dränge, müsse man „schnell zusehen, die Tradition des Umzugs nicht sterben zu lassen“. Die KG müsse nach wie vor die Organisation übernehmen. In Sachen Haftung werde man ein Angebot machen. „Alle Beteiligten sind zuversichtlich, dass uns das gelingt“, sagte Hoffeld. „Natürlich müssen wir abwarten, was das Gespräch bringt. Aber Vereine, die teilnehmen wollen, sollen sich weiterhin melden.“ Der Umzug lebe von der Vielfalt der Akteure. Unabhängig von dem Gespräch sei eines klar, erklärten Manfred Klein und Marcus Hoffeld: „Für 2013 werden wir eine neue Struktur für den Umzug erarbeiten.“




































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