„Asterix“ ist nicht der einzige Comic, den er übersetzt, auch für die Western-Satire „Lucky Luke“ ist er verantwortlich. Für einen Band des schnellschießenden Cowboys braucht er zwei bis drei Wochen, für einen „Asterix“ zwei bis drei Monate. Der sei eben mit seinen zahllosen Bezügen, Wort- und Anspielungen „die Königsdisziplin“. Dass Jöken, Jahrgang 1958 (damit ein Jahr älter als „Asterix & Obelix“), Studium der Geschichte und des Niederländischen, seit 20 Jahren in Frankreich lebt, hilft ungemein. „Man muss die französische Kultur kennen, das Fernsehprogramm, die Werbesprüche.“
Einleitend erzählte Jöken von Asterix' unsanfter Ankunft in Deutschland: Da hießen der und sein wohlgenährter Sozius ersteinmal „Siggi und Babbaras“; diese Germanisierung stieß dem gallischen Verlag sauer auf, der schnell die Rechte wieder zurück forderte. Erst ein zweiter, sensibler übertragener Anlauf bei einem anderen Verlag zeitigte Erfolg.
Wie übersetzt man nun „Asterix“? Indem man ihn eben nicht übersetzt, schon gar nicht wörtlich, findet Jöken, sondern überträgt. Wenn die cholerische Cleopatra wieder einmal erzürnt ist, kommentiert Caesar das mit der französischen Wendung für einen Wutanfall: „la moutarde lui monte au nez“. Eine wörtliche Übersetzung mit Senf, der bis an die Nase steigt, bliebe unverständlich. Die Wendung mit „sich aufzuregen“ zu übersetzen, wäre verständlich, aber witzlos, ginge doch der Bezug zu Cleopatras legendär hübscher Nase verloren. Die Lösung: die Übersetzung mit „verschnupft“, die den Verweis zu Cleopatras Gesichtserker intakt lässt.
Übertragungsprobleme wie diese rumoren in Jökens Unterbewusstsein weiter – einmal sei ihm eine Lösung nachts im Schlaf eingefallen: „Licht an, aufschreiben, weiterschlafen. Meine Frau hat sich etwas gewundert.“ Ein anderes Problem: „Im Deutschen braucht man zehn bis 15 Prozent mehr Text als im Französischen“ – der Raum ist aber durch die unantastbare Größe der Sprechblase vorgegeben. „Man darf natürlich kein Bild anrühren.“
Außerdem ließen sich manche Wortspiele oder Gags gar nicht übertragen, so dass der Übersetzer an anderer Stelle einen eigenen Witz platziert, „um das Gesamtniveau des Humors zu halten“. So hat Jöken ein unübersetzbares Wortspiel durch eine Anspielung auf „Raumschiff Enterprise“ ersetzt, die vielleicht nur Fans der Serie direkt auffällt. „Aber wer das nicht kennt, sollte zumindest nicht stutzen.“ Auch überdeutliche Gags, Jöken führt als Beispiel einen auf den Mauerfall anspielenden Text aus „Lucky Luke“ an, könne man bei der Übertragung abschwächen und letztlich raffinierter machen.
Das klingt nach viel übersetzerischer Freiheit, aber Jöken relativiert das durch die Schilderung des Arbeitsablaufs: Er übersetzt und schickt das Manuskript an den deutschen Verlag. „Der schaut sich das an. Dann treffen wir uns, um es durchzusprechen.“ Zwei bis drei Tage kann diese Wort-für-Wort-Prozedur dauern. „Dann wird diese Übertragung ins Französische rückübersetzt und an den französischen Verlag geschickt.“ Der übersende ihm danach viele Fragen zu den deutschen Anspielungen und Wortspielen, „die ich detailliert erklären muss“. Ist diese Hürde genommen, folgen der Druck der Bände und die letzte Instanz, die Jöken pragmatisch sieht: „Am Ende entscheidet der Leser, ob die Übersetzung gut ist oder nicht.“
Nächster Vortrag am Dienstag um 19 Uhr: Marcus Junkelmann spricht über „Römer im archäologischen Experiment“.




































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