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Berlin

Bundesregierung will Gesundheitsrisiko bei Tätowierungen minimieren

Von SZ-Korrespondent Hagen Strauß

Eine halbe Million Menschen in Deutschland haben Hautprobleme wegen Tattoos, schätzen Experten. Die Regierung plant deshalb, den Schutz vor gesundheitsschädlichen Tätowierfarben zu verbessern. (Veröffentlicht am 03.02.2012)

Körperschmuck

Die Regierung plant, den Schutz vor gesundheitsschädlichen Tätowierfarben zu verbessern.Foto: Sebastian KahnertFoto:

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Berlin. Sie sind ein Massenphänomen: Tattoos. Ein Geweih über dem Allerwertesten, eine Blume auf der Schulter, ein Totenkopf auf dem Arm, Riesen-Tätowierungen auf dem Rücken – kein Körperteil ist mehr vor den Stichen sicher. Auch viele Prominente haben Tattoos. Nach Schätzungen sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung tätowiert, Tendenz steigend. Weil nicht jedes Tätowiermittel ungefährlich ist, will die Bundesregierung den Schutz vor gesundheitsschädlichen Farben verbessern. Jedoch nicht so schnell, wie einzelne Bundesländer fordern.

Obwohl mit der geltenden Tätowiermittelverordnung krebserregende Farbstoffe bereits verboten sind, gelangen mit der Tinte beim Stechen mitunter immer noch giftige Stoffe in die Haut. So warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vergangenes Jahr vor gesundheitsgefährdenden Substanzen in schwarzer Tinte. Zugleich fanden Wissenschaftler aus Baden-Württemberg in Tätowier-Farben unter anderem verbotene Konservierungsmittel und giftige Farbstoffe. Mehr als ein Drittel der untersuchten Proben wurden damals beanstandet.

Die Folgen für die Betroffenen: unter anderem Jucken, Brennen oder Ekzeme an den tätowierten Stellen. Regensburger Forscher stellten zudem fest, dass die Zahl der Erkrankungen mit der Zahl der Tattoos steigt. Eine halbe Million Menschen hätten Hautprobleme wegen Tätowierungen, so die Experten. Wer sich daher stechen lassen wolle, müsse unbedingt nachfragen, woher die Farben stammten. Tätowierer sollten zudem nur Farben aus Europa verwenden, rieten die Fachleute.

Angesichts dieser Erkenntnisse ist der Druck auf die Bundesregierung groß, die entsprechende Verordnung rasch zu verschärfen. So will der Bundesrat in seiner Sitzung am 10. Februar erneut einen Antrag des Landes Baden-Württemberg beraten, mit dem die Regierung aufgefordert wird, „kurzfristig strengere Regelungen für Tätowiermittel“ in die Verordnung aufzunehmen. Von den derzeit eingesetzten Tätowierfarben gingen „zum Teil erhebliche gesundheitliche Risiken“ aus, heißt es in der Begründung. Schon vor zwei Jahren hatte die Länderkammer verlangt, eine Sicherheitsbewertung von Tätowierfarben vorzunehmen und die Hersteller dafür in die Pflicht zu nehmen. Die bestehende Verordnung reiche nicht aus, um die Verbraucher vor gefährlichen Tätowierfarben zu schützen, hieß es damals. Die Umsetzung sei aber nicht erfolgt, beklagen die Länder heute.
Das zuständige Verbraucherschutzministerium hat nun angekündigt, „den gesundheitlichen Verbraucherschutz bei Tätowiermitteln weiter zu stärken“, also strengere Auflagen zu erlassen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sei beauftragt worden, so das Ministerium zu unserer Zeitung, weitere wissenschaftliche Kriterien für die Bewertung von Inhaltsstoffen in Tätowiermitteln zu erarbeiten. Danach wolle man Festlegungen für die Verordnung prüfen. Das könnte dauern. Das Bundesinstitut jedenfalls will bereits Ende März Ergebnisse vorlegen. Gleichwohl seien die Resultate nur ein Baustein von vielen für mehr Sicherheit von Tätowiermitteln, hieß es.

Hintergrund
Im Saarland gibt es nach Angaben der Industrie- und Handelskammer derzeit 55 aktive Tattoo-Studios. Eines davon, das Infected-Tattoo in Neunkirchen, leitet Wolfgang Schmitt. Schmitt verwendet nach eigenen Angaben nur Farben, die in Deutschland hergestellt sind. Farben aus dem Ausland sind für ihn tabu. Seiner Einschätzung nach ist inzwischen etwa jeder vierte Saarländer tätowiert. jöw

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