Es war Ralph Melchers erster öffentlicher Auftritt nach seiner Entlassung als Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Er erschien als Angeklagter vor der großen Wirtschafts-Strafkammer des Saarbrücker Landgerichtes. Blick auf einen unaufgeregten Prozess-Tag.
(Veröffentlicht am 01.02.2012)
Saarbrücken. Keine Rechtfertigungen, keine Entschuldigungen – also auch kein Schuldbewusstsein? Dieser Eindruck musste entstehen. Denn Ralph Melchers zweistündige Aussage lieferte gestern hauptsächlich eins: die nahezu romanhafte Schilderung von Lebensumständen. Museums-Bau-Nöte, Leistungsdruck, Terminhetze, private Finanz-Malaise, Stress mit Versicherungen – bis in die letzten Verästelungen trieb Ralph Melcher gestern seine Aussage vor den fünf Richtern der Wirtschafts-Strafkammer. Eloquent, unaufgeregt-sachlich ließ er sich zu den Vorwürfen ein, die ihn Job, Ansehen und wohl auch eine zukünftige Karriere gekostet haben: Untreue in 46 Fällen und Bestechlichkeit. Es wurde eine Geduldsprobe im Saal 1. Nur ein, zwei Künstler waren gekommen, wenige Beobachter aus dem Kulturministerium, keine Stiftungs-Mitarbeiter, keine Kuratoren, keine Landtags-Abgeordneten – bis auf Günter Waluga (SPD). Und der konstatierte nach fünfeinhalbstündiger Verhandlung: „Keine Überraschungen“.
Immerhin konkretisierte sich gestern Melchers Entlastungs-Strategie. Die Vielfalt und Parallelität der Bau- und Ausstellungs-Aufgaben hätten einen enormen Abstimmungs-Bedarf erzeugt, sodass Termine mit dem Projektsteuerer Gerd Marx auch in die Mittagszeit geschoben wurden. „Es gab einen hohen Besprechungsbedarf“, so Melcher. Man habe dafür Restaurants gewählt, die er, Melcher, auch mit Kuratoriums-, Beirats-Mitgliedern, mit Museumskollegen und Ministern angesteuert habe.