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Saarbrücken

DB Regio-Mitarbeiter zweifeln bei Kundgebung in Saarbrücken an Zukunft ihrer Arbeitsplätze

Von Dennis Klammer und Thomas Sponticcia (SZ)

Bahnchef Rüdiger Grube und die „Wahlkämpfer“ von CDU, SPD sowie den Linken betonten gestern, es werde alles versucht, die Arbeitsplätze bei DB Regio zu halten und auch ab 2014 die Strecken an der Saar und in Rheinland-Pfalz zu bedienen. (Veröffentlicht am 02.02.2012)

(Symbolbild) Foto: Martin Gerten (dpa)

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DB Regio-Mitarbeiter zweifeln bei Kundgebung in Saarbrücken an Zukunft ihrer Arbeitsplätze

Bahnchef Rüdiger Grube und die „Wahlkämpfer“ von CDU, SPD sowie den Linken betonten gestern, es werde alles versucht, die Arbeitsplätze bei DB Regio zu halten und auch ab 2014 die Strecken an der Saar und in Rheinland-Pfalz zu bedienen.
Saarbrücken. Die Stimmung ist gedrückt. Mehrere hundert Mitarbeiter von DB Regio drängen bei klirrender Kälte zur „Kuba“, einer Veranstaltungshalle hinter dem Saarbrücker Eurobahnhof. Frostiges Klima herrscht nicht nur „draußen“, sondern offensichtlich auch an vielen Stellen im Unternehmen. Niemand der Erschienenen will mit seinem Namen in der Zeitung stehen. Angst geht um vor weiterem Personalabbau bei der Bahn, was die Beschäftigten an der Saar schon lange kennen. „Bei uns herrscht Weltuntergangsstimmung“, sagt ein Angestellter der DB Regio, gerade einmal 18 Jahre jung. Betrübt hält der junge Mann ein Flugblatt in seiner Hand, das die Befürchtung der Anwesenden auf den Punkt bringt: „Wir werden aus dem Verkehr gezogen.“

Einen Verbündeten sehen die Beschäftigten wohl beim Betriebsratschef von DB Regio, Ralf Damde. Der hat nicht nur zur Betriebsversammlung eingeladen, sondern schiebt gleich noch eine Kundgebung hinterher. Zu der er clevererweise auch die mitten im Wahlkampf operierenden Spitzenvertreter geladen hat: von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) über Heiko Maas (SPD) und Oskar Lafontaine (Linke) bis zu Simone Peter (Grüne). Alle sind auch brav erschienen.

Die DB Regio-Mitarbeiter haben jedoch nicht die Landtagswahl im Sinn. Sie fürchten um ihre Existenz, weil die DB Regio einen Bieterwettstreit um zahlreiche Strecken in Rheinland-Pfalz und dem Saarland wohl an die italienische Konkurrenz verloren hat. Wozu sich der zuständige Verhandlungspartner Zweckverband Rheinland-Pfalz Süd auch gestern noch hartnäckig in Schweigen hüllte, obwohl das Ergebnis wohl schon zu Gunsten der Italiener gefallen ist. Das will die Gewerkschaft aus der „geheimen Sitzung“ erfahren haben. Ein 29-jähriger Saarbrücker Mitarbeiter von DB Regio findet drastische Worte: „Die Führung hat schlechte Arbeit geleistet. Wir haben kaum noch Vertrauen.“
Die „Wahlkämpfer“ versichern, da müsse im Rahmen einer rechtlichen Prüfung wohl noch was drin sein. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sagt, es könne ja wohl nicht sein, dass das Saarland mit dem kleinsten Anteil von zehn Prozent an der Ausschreibung beteiligt ist (hier geht es um die künftige Bedienung der Nahestrecke von Saarbrücken über Mainz zum Flughafen Frankfurt), aber jetzt von Personalabbau bedroht sei. Nein: Sie werde dem Ergebnis nicht zustimmen. Es werde alles getan, den Vorfall neu aufzurollen. An dieser Stelle wundert sich später Ralf Damde, nicht wegen der Ministerpräsidentin, der er abnimmt, erst kurzfristig von den Vorfällen erfahren zu haben. Sondern wegen der früheren Verkehrsministerin Simone Peter (Grüne), die ebenfalls das Wort ergreift. Ihr früheres Fachministerium, so Damde, müsse doch als Aufgabenträger von den Details der Ausschreibung gewusst haben. Und habe nicht reagiert. Den Schlamassel müssten jetzt die Bahn-Mitarbeiter ausbaden. Peter betont, es sei dem Land darum geggangen, mehr Qualität auf die Schiene zu bringen. Jetzt müsse man sich bemühen, das Angebot der Bahn noch einmal nachzubessern. Ob das rechtlich überhaupt möglich ist, bleibt weiter offen. Heiko Maas fragt, wieso man sich erst jetzt mit dem Problem befasst, „wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Auch er hofft, dass die Bahn das Angebot noch nachbessern kann. Oskar Lafontaine sieht das Problem ganz woanders: Es sei entstanden durch die Privatisierungswelle in Deutschland, die beendet werden müsse. Was wiederum Simone Peter auf den Plan ruft. Der „liebe Oskar“ habe doch damals, als er noch einer anderen Partei angehört habe, die Privatisierung der Bahn selbst mit abgesegnet.

Dann betritt einer die Bühne, der sagt, „hier oben der einzige zu sein, der nicht zur Wahl steht“. Bahnchef Rüdiger Grube ergreift das Wort. Sein Besuch bei der Belegschaft war seit längerem geplant. Alle dem Land zugesagten Investitionen von 370 Millionen Euro für die nächsten Jahre würden eingehalten. Die DB Regio werde weder abgebaut noch aufgeteilt. „Wir wollen an der Saar noch mehr machen und noch mehr Menschen dazu bringen, mit uns als Dienstleistungsunternehmen zu fahren“, sagt der Bahnchef. Er wolle neue Dienstleistungen an der Saar schaffen und eher noch Personal aufstocken. Über das, was machbar ist, will er mit der neuen Landesregierung reden, gemeinsam mit ihr eine „Initiative Saarland“ starten. Viele der Anwesenden bleiben skeptisch. Ankündigungen sind sie seit Jahren gewöhnt. Mal vom einen Bahnchef, mal vom nächsten.

Hintergrund

Die Regentalbahn als Konkurrenz von DB Regio im Bieterwettstreit um Strecken in Rheinland-Pfalz und an der Saar ab 2014 hat ihren Sitz in Viechtach in Bayern. Sie gehört zur Netinera Deutschland GmbH, einem Konsortium unter Führung der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato Italiane und einem französisch-luxemburgischen Finanzinvestor. Die Netinera Deutschland GmbH ist das drittgrößte Eisenbahnunternehmen nach der Deutschen Bahn AG und Veolia Verkehr. Nach Angaben von Netinera ist man in der Lage, die Infrastruktur für den Betrieb in Rheinland-Pfalz und an der Saar zu gewährleisten. In anderen Regionen in Deutschland, in denen man schon fährt, habe man Mitarbeiter der DB übernommen und eigene Leute ausgebildet. ts

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