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Ottweiler

Ottweiler plant spektakuläre Abfahrtsstrecke für Mountainbiker

Von SZ-Redaktionsmitglied Marc Prams

Flowtrail nennt sich ein neuer Trend in der Mountainbike-Szene. Bundesweit gibt es bislang nur eine Strecke für diese Trend-Sportart. In Ottweiler bauen Ehrenamtler derzeit eine weitere. Die Stadt erhofft sich davon, ein junges Publikum anzuziehen. (Veröffentlicht am 02.02.2012)

Anfänger und Profis können ab Mai auf dem Mountainbike-Flowtrail in Ottweiler ihr Können in Sachen Fahr- und Sprungtechnik unter Beweis stellen. (Symbolbild)Foto: Uwe Zucchi (dpa)

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Ottweiler. Wenn Mountainbiker aus der Region Lust auf einen besonderen Kick verspüren, spektakuläre Fahrten und anspruchsvolle Strecken erleben möchten, kommt vorm Tritt in die Pedale oftmals der Tritt aufs Gaspedal. Mit dem Fahrrad im Kofferraum werden Ziele in den Vogesen, im französischen Departement Moselle, im Schwarzwald oder im Sauerland angesteuert.

Noch, denn ab Mai wird auf der Landkarte der Mountainbike-Fans auch bei der Stadt Ottweiler ein dickes Kreuz gemacht. Dann eröffnet dort ein sogenannter Flowtrail, eine drei Kilometer lange Abfahrtsstrecke, die vom Steinbacher Berg hinab bis zum Eichenwäldchen führt. „Die Topografie ist hier einfach ideal für eine schöne Strecke“, sagt Martin Halm. Vor etwa einem Jahr hat der 33-jährige Ottweiler Bürger das Konzept des Flowtrails, einer abschüssigen Strecke, deren welliger Verlauf Achterbahn-Feeling aufkommen lässt und zu verschiedenen Fahr- und Sprungtechniken animiert, bei der Stadt vorgestellt. Im vergangenen Sommer konnten er und rund 20 andere Mountainbiker mit dem Bau beginnen. „Es gibt bislang nur einen Flowtrail in ganz Deutschland, und der befindet sich in Stromberg, fast 150 Kilometer entfernt. Dabei haben wir hier im Saarland die besten Voraussetzungen dafür, und das Fahren auf einem Flowtrail vereint viele Gruppen von Bikern. Von Seiten der Stadt hat man uns bei der Umsetzung unterstützt und keine Hürden in den Weg gestellt, zumal das Risiko für die Gemeinde denkbar gering ist“, erklärt Halm.

Denn er und andere Mountainbike-Begeisterte übernehmen alle Arbeiten in eigener Regie, ehrenamtlich. Auf die Stadt kommen also keinerlei Kosten zu. Halm ist sich sicher, dass sich die Mountainbike-Szene künftig auch in Ottweiler treffen wird. Ähnlich wie in Stromberg, wo regelmäßig etwa 250 Fahrer auf die Strecke gehen. Hobby-Biker Gerrit Oestreich vom Ottweiler Tourismus-Büro weiß, welches Potenzial der Flowtrail für die Stadt bietet: „Mountainbike ist zwar ein Szenesport, aber diese Szene ist sehr groß. Und für gute Strecken nehmen die Sportler auch lange Anfahrten in Kauf. Wir erhoffen uns, dass künftig mehr junges Publikum unsere Stadt besuchen wird.“ 95 Prozent des Geländes, auf dem sich die Strecke befindet, seien Eigentum der Stadt, erklärt Oestreich, was den behördlichen Prozess bis zur Baugenehmigung erleichtert habe. Die restlichen fünf Prozent seien im Besitz kirchlich-sozialer Träger, die ebenfalls eingewilligt hätten.

Halm, der seit mehr als 20 Jahren Mountainbike fährt, ist fest davon überzeugt, dass der Flowtrail für Ottweiler sowie die gesamte Region eine Bereicherung darstellen wird und auch Gastronomie und Einzelhandel davon profitieren können. „Es kommen sicher viele Gäste von außerhalb, die hier übernachten und in der Stadt etwas essen und trinken“, sagt Halm. Um ein möglichst breites Publikum anzusprechen, ist die Strecke, ähnlich wie eine Skipiste, in drei verschiedene Schwierigkeitsgrade unterteilt. „Wir wollen für jeden etwas bieten. Für die Cracks sind Sprünge aus einer Höhe von bis zu zwei Metern möglich, Anfänger können einen leichteren Kurs wählen.“ Das Gelände sei für Mountainbiker ein Paradies, so Halm, weshalb man kaum in die Natur eingegriffen und ausschließlich Naturbaustoffe verwendet habe, um so eine möglichst natürliche Linie beizubehalten. Noch befindet sich die Strecke allerdings im Bau und ist nicht freigegeben. Erst Anfang Mai soll der Flowtrail mit einer großen Party eröffnet werden. „Dann kann jeder hier fahren, der Lust hast. Natürlich kostenlos. Und das wird brummen“, versichert Martin Halm.

www.ottweiler.de



Meinung

Ein Glücksfall für Ottweiler

Von Marc Prams

Es gibt viele Ideen und Konzepte, mit denen sich die Attraktivität von Kommunen steigern lässt. Die meisten davon sind allerdings mit Kosten verbunden und in Zeiten klammer Kassen kaum umzusetzen. Für die Stadt Ottweiler könnte es sich als echter Glücksfall erweisen, dass sich einige Mountainbike-Fans mit viel Herzblut engagieren, sich für ihren Sport ins Zeug legen und dort einen Flowtrail zum Nulltarif anlegen. Dass der bürokratische Prozess schnell und unkompliziert über die Bühne ging, hat die Erbauer des Trails in der Wahl des Standorts bestätigt. „Spektakulär“ soll die Strecke werden. Und Spektakuläres ist für Sportler immer reizvoll und wirkt anziehend. Vermutlich werden aber zu Beginn noch einige organisatorische Schwierigkeiten auf die Betreiber zukommen. Wenn aber weiterhin alle Beteiligten gut zusammenarbeiten, sollte sich für jedes Problem eine Lösung finden lassen.



Hintergrund

Flowtrails sind neue Wegetypen, die entweder extra für Biker angelegt werden oder durch Erneuerung eines vorhandenen Wegs entstehen. Das Flowtrail-Konzept orientiert sich in weiten Teilen an einem Konzept des internationalen Mountainbike Verbandes IMBA und wurde durch die DIMB (Deutsche Initiative Mountain Bike) modifiziert und auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten. Die Betreiber des Ottweiler Flowtrails haben sich mit einer Interessengemeinschaft der DIMB angeschlossen. Wer Fragen hat oder sich ebenfalls engagieren möchte, kann per Mail Kontakt aufnehmen: ig.saar@dimb.de pra

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