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Berlin

Analyse: Überall drin - Grüne erreichen Etappenziel

Von Basil Wegener, dpa

Etappenziel erreicht - aber alle Fragen offen. Die Grünen in Berlin jubeln am Abend über den Einzug in die neu gewählten Landtage im Saarland, Thüringen und in Sachsen. Sie sehen aber auch möglichen Regierungsbildungen mit Risiken entgegen. (Veröffentlicht am 30.08.2009)

Astrid Rothe-Beinlich

Nach 15 Jahren wieder drin: Die grüne Spitzenkandidatin Astrid Rothe-Beinlich freut sich über den Einzug in den Landtag.Foto:

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Die Zitterpartie mit ersten Prognosezahlen um die fünf Prozent endet um 18.25 Uhr, als eine Hochrechnung die Thüringer Grünen mit einem Plus von 1,2 Punkten im Vergleich zu 2004 auf 5,7 Prozent sieht. Die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Renate Künast und Jürgen Trittin, jubeln wenig später in der Parteizentrale vor jungen Berliner Grünen über den «schönen grünen Sommerabend». «Das kann auch der Anfang vom Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel werden», ruft Trittin. «Das gibt uns Auftrieb», beteuert Künast. Über mögliche Koalitionssignale für den Bund verlieren sie kein Wort.

Ein Überraschungsbündnis mit CDU und FDP im Saarland liefe der Stoßrichtung gegen Schwarz-Gelb bei der Bundestagswahl entgegen. Aber nach den Attacken von Linksparteichef Oskar Lafontaine im Wahlkampf seien viele Saar-Grünen auch auf die Linken nicht gut zu sprechen, gibt Trittin später zu bedenken.

Hubert Ulrich, der Grünen-Chef an der Saar, betont: «Wir werden mit beiden Seiten verhandeln, und wir werden hart verhandeln.» So wollten die Grünen ihren Anti-Kohle-Kurs durchsetzen. Zwischen Berlin und Saarbrücken wird reichlich telefoniert. Den Preis hochtreiben wollen die über die Fünf-Prozent-Hürde gezitterten Grünen an der Saar aber wohl nicht allzu lange - eine Hängepartie soll es nach Aussage führender Parteivertreter nicht geben. Schwieriger wird die Sache noch in Thüringen, wo die Grünen den Linken-Spitzenkandidat Bodo Ramelow keinesfalls zum Ministerpräsident machen wollen.

«Man muss diskutieren, in Ruhe die Ergebnisse angucken, am Schluss wird in den Ländern entschieden», sagt Fraktionschef Fritz Kuhn. Die in die Parteizentrale gekommenen Basis-Grünen jubeln bei allen Zahlen in Richtung rot-rot-grünem Machtwechsel. Doch ist es eben nicht so einfach. Im Bund drücken sich die Grünen um eine klare Koalitionsaussage. Mit sehr großer Mehrheit hatte ein Bundesparteitag im Mai fast alle Koalitionsoptionen offen gelassen - Umfragewerte um 12, 13 Prozent lassen das Kalkül als bislang geglückt erscheinen.

Nur ein Jamaika-Bündnis mit CDU und FDP schlossen die Grünen im Bund definitiv aus. «Jamaika bleibt in der Karibik, und das ist auch sehr gut so», sagte Claudia Roth damals. Künast und Trittin waren in einem wochenlangen internen Hickhack damit gescheitert, die Partei zu einem Ampel-Bekenntnis zu drängen. In Richtung SPD und Linke haben dagegen viele Sympathien. Aber die Grünen sind da gespalten. Auch die CDU unter Angela Merkel ist für viele kein grundsätzliches Problem, etwa für viele Junge aus dem Südwesten. Schwarz-Grün gilt bei der Wahl in vier Wochen weiter als exotische Option.

Offenheit für alle mit ungeahnten Machtoptionen oder riskanter Schlingerkurs - nach den Landtagswahlen scheint das Pendel für die Grünen eher ins Positive auszuschlagen. Doch eine klare Perspektive sähe an diesem Wahlsonntag anders aus.

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